25.04.2020 Berlin “Nicht ohne uns” Demonstration am Rosa-Luxenburg-Platz

25.04.2020 Berlin “Nicht ohne uns” Demonstration am Rosa-Luxenburg-Platz

Diesen Artikel schreibe ich gut ein halbes Jahr rückwirkend. Es war meine erste Demonstration in Berlin.

Wir sind etwa eine Stunde vor Demonstrationsbeginn am Rosa-Luxenburg-Platz eingetroffen. Ich hatte trotzdem schon deutlich mehr Menschen auf dem Platz erwartet. Wer allerdings schon da war, war die Polizei.

Es wurde in Polizeiaufgebot aufgefahren, welches ich in dieser Form noch nie zuvor erlebt hatte. Auch nach offiziellem Demobeginn waren, nach meiner Wahrnehmung, deutlich mehr Polizisten als Demonstranten anwesend.

Zwei Sachen haben mich gleich von Beginn an erschreckt. Zum einen, war der Platz von unbekannten auf unsere Ankunft vorbereitet worden. Es war zu lesen “Kein Platz für Nazis” und “Nicht eure Bühne”. Ich konnte es kaum glauben – es kostete mich den ganzen Tag zu verstehen, dass ich hier als rechter, als Nazi gebrandmarkt werde.

Das zweite war, dass die Polizei direkt von Beginn an verkündete, dass diese Versammlung aufgelöst wird. Ich wollte aber aufstehen und Gesicht zeigen, für unsere Grundrechte, die uns unsere Verfassung, Grundgesetz genannt, garantiert. Ich weiß noch wie ich innerlich ganz ruhig wurde, versuchte ein Gefühl der Freundlichkeit in mir gegenüber den Polizisten zu kultivieren – das aber gleichzeitig mit der Überzeugung einherging “Nein. Ich stehe hier und ich habe nicht vor zu gehen.”

Im späteren Verlauf habe ich dann verstanden, warum so wenig Leute auf dem Rosa-Luxenburg-Platz waren. Alle Zugangsstraßen wurden polizeilich abgesperrt. Hinter jeder Absperrung versammelten sich mehrere tausend Menschen.

Auf dem Platz wäre eigentlich genug Raum gewesen um der breiten Masse Zugang zu gewähren unter Berücksichtigung des Mindestabstands. Die Polizei tat aber jedoch genau das Gegenteil. Die Leute wurden an einem vorankommen gehindert, und sie wurden bewusst aufgestaut.

In den folgenden Stunden, durfte ich dann beobachten, wie die Polizei mich und die anderen Menschen auf dem RLP kaum beachtete, allerdings mit massiver Brutalität gegen einzelne Personen hinter den Absperrungen vorging.

Niemals werde ich vergessen, wie neben mir dann ein Pfarrer, mit seinen beiden Kindern, die Musikinstrumente in der Hand hielten abgeführt wurde. Die Aufgebrachte Menge schrie daraufhin den berühmten Ausspruch “Wir sind das Volk”, später wurde dies in den Medien aus dem Zusammenhang gerissen.

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